VC01: Ausbildung im Journalismus

Thomas Müller vom Journalistenzentrum Haus Busch hat sich inzwischen schon vor ein paar Monaten mit mir unterhalten – und zwar über die Journalistenausbildung, die Ökonomie von Print-Produkten und die Veränderungen im Beruf in den letzten Jahren. Und natürlich über den berüchtigten Busch-Keller.

Ich kam leider erst jetzt dazu, ihn zu schneiden und hochzuladen, wünsch Euch aber dennoch viel Spaß bei der ersten Folge des Volocasts.

Lob und Kritik könnt ihr hier loswerden.

Kunst des Kommentierens

Wenn unsere kleine, aber feine Seminargruppe im Seminar von Dr. Wilfried Bommert heute etwas gelernt hat, dann ist es – wie bei so vielen Themen in der Schreiberzunft – keine Kunst einen Kommentar zu verfassen, sondern sorgfältige Planung.

Was ist ein Kommentar?

Er ist erst einmal ein Meinungsbeitrag zu einer aktuellen Thematik. Entweder teilen die Leser dann die Meinung – oder auch nicht. Auf jeden Fall hillft er, ob positiv oder negativ, bei der Meinungsbildung.

Die Vorarbeit

Zuerst muss man sich erst einmal fragen: Bietet sich bei dem Thema überhaupt ein Kommentar an?

Das geht relativ schnell: Ist das Thema überhaupt kontrovers? Ist es aktuell? Interessiert sich überhaupt jemand dafür? Und ist es so unübersichtlich, dass sich ein einordnender Kommentar überhaupt lohnt?

Wenn man all diese Fragen mit “ja!” beantworten kann, geht es los. Ansonsten muss man das Thema noch einmal genau durchdenken – oder es fallen lassen.

Der Aufbau

  1. Thema in Kürze
    Kurze Zusammenfassung der Thematik.
  2. These
    Welche These vertritt der Kommentator?
  3. Argumente
    Am besten drei einordnende Argumente aufführen, um die These zu stützen. Natürlich sind auch entkräftende Gegenargumente nicht verboten.
  4. Schlussfolgerung
    Was folgt aus der These? Welche Konsequenzen hat das?

Die Stilmittel

Ein Kommentar kann als Brief (“Sehr geehrte Frau Doktor Merkel [...] Mit freundlichen Grüßen. Oder auch nicht.”), Zeugnis (“Mathematik: klar ungenügend!”), als Rede (“Liebe Freunde”) oder als Geschichte (“Es war einmal [...]“) geschrieben werden. Eigentlich gehen sämtliche Textarten, außer natürlich Bericht oder Meldung.

Der Kommentar gibt ja die Meinung des Autors wieder. Deshalb ist ein wohlplatziertes “ich” nicht verboten. Um die Leser mit einzubeziehen, kann man ab und an auch ein “wir” fallen lassen.

Aus dem Deutschunterricht wissen wir ja alle noch, dass Bilder sehr stark sein können. Ob es das sinkende Schiff ist, die Lotsen die von Boot gehen oder die Grabenkämpfe in der Regierung: Man liest’s zwar oft – aber es geht einen noch nicht so auf den Keks wie die “Milchmädchenrechnung”. Wie gesagt, den Kommentar auf einer Bildbühne spielen zu lassen, kann funktionieren. Geht aber auch mal nach hinten los.

Die Länge der Sätze kann extrem variieren. Um Tempo und Druck in den Text hineinzubekommen reichen manchmal ein-Wort-Sätze vollkommen aus.

Rhetorischen Stilmittel (Wikipedia) können natürlich auch eingebaut werden.

Wenn ich etwas vergessen habe, kommentiert. Hehe.

Drüben auf Floyboy habe ich mal einen Übungs-Kommentar veröffentlicht.

Infos von Behörden

Telefon

Heute stand das Medienrecht auf der Tagesordnung. Sehr viel Infos, viel zu viel für einen einzigen Beitrag. Deshalb wird in der nächsten Zeit auch weiter ab und an ein Beitrag über das Medienrecht erscheinen. Geplant ist auch noch, dass ich mich nächste Woche mit unserem Dozenten, dem Medienrechtler Marc Oldeymeyer, treffe und (hoffentlich) dann einen netten Podcast mit nach Hause bringe. Wenn euch irgendwelche Fragen auf den Nägeln brennen, die ihr schon immer mal von einem Medienrechtler wissen wolltet, kommentiert oder schreibt an f.heinz(ät)goettinger-tageblatt(punkt)de.

Das heutige Thema hat auch etwas mit Podcasten zu tun: Es geht um das Informationsfreiheitsgesetz, also darüber, dass seit 2005 Behörden verpflichtet sein können, Infos an alle Bürger herauszugeben. Radiokollege Philip Banse hat in seinem letzten Medienradio das Thema von einer anderen Seite beleuchtet: Wäre es nicht genial, wenn die Behörden verpflichtet wären, alle Infos freiwillig der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen? Schließlich finanziert ja der Steuerzahler die Vorgänge. Open Data ist der Name der Bewegung, Michael Hörz und Friedrich Lindenberg gehen in dem Podcast detailliert auf das Konzept ein und zeigen erste Anwendungen.

Solange Open Data in Deutschland aber noch eine Bewegung und noch nicht Mainstream ist, sind die Bürger auf das “Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes” (Wikipedia) angewiesen.

Oft kommt es ja vor, dass man auf die Schnelle (der Andruck wartet ja nicht) noch Infos von behördlichen Stellen benötigt, die die Recherche bestätigen oder widerlegen. Leider ist es aber so, dass die Arbeitszeiten von Journalisten und den Beamten nicht unbedingt konkruieren. Was also machen, wenn man nicht schreiben möchte, dass die verantwortliche Behörde bis Redaktionsschluss keinen Kommentar abgegeben hat? Oldemeyer gibt für solche kurzfristigen Anfragen den Tipp: Ein Fax mit Fragen vorbereiten, auf das man entweder mit ja, nein oder wenigen Worten antworten kann. Als nächstes ruft man die Behörde an und sagt, das man gleich was schicken werde. Man könne gerne gemeinsam die Fragen durchgehen. Wenn die Behörde dann zurückruft ist nämlich schon einmal klar: Die hat das Fax erhalten. Kann der Gesprächspartner nicht alle Fragen sofort beantworten: Frist setzten, die angemessen erscheint.

Eine Behörde braucht natürlich nicht alle Fragen zu beantworten. Hier die Begründungen:

Schwebendes Verfahren
Alle Ausschreibungen werden hinfällig, wenn man Auskunft darüber erhalten könnte, wie viel Bewerber und mit welchem Preis sie der Stadt zum Beispiel ein neues Feuerwehr-Auto anbieten.

Geheimhaltung
Ein Stempel mit “geheim” macht ein Dokument noch nicht unbedingt dazu: Die Geiheimhaltung gibt es nur noch, wenn sie gesetzlich geregelt ist. Und das kommt äußerst selten vor. Man kann in solch einem Fall natürlich Fragen, warum das Dokument geheim ist und wo dies geregelt wird.

Privatinteresse
Wenn die Informationen wirtschaftlich relevant sind (bei städtischen Unternehmen beispielsweise) und anderen Betrieben einen Vorteil verschaffen könnten, braucht dies eine Behörde natürlich auch nicht offen zu legen. Faustregel: Ob-Fragen können meistens beantwortet werden, Wie-Fragen eher selten.

Zumutbares Maß
Für die Bearbeitung der Anfrage braucht keine zusätzliche Stelle eingerichtet zu werden. Wenn eine Behörde so viele Ressourcen aufwenden muss, dass sie nicht mehr funktioniert, kann sie die Anfrage ablehnen.

Bei spezielleren Anfragen ist es natürlich besser, persönlich vorbeizuschauen. Hilfreich kann es sein, wenn man auf dem Briefpapier seines Arbeitsgebers einen Rechercheauftrag mitbringt. Außerdem dürfen die Anfragen natürlich nicht schwammig sein. Wenn man sich auf dem Weg zur Behörde erst überlegt, was man denn eigentlich wissen möchte, ist das meist zu spät: Lieber die Anfragen auch gleich (formlos) schriftlich fixieren. Die Fragen müssen dann unverzüglich bearbeitet werden (spätestens innerhalb eines Monats). Wenn sich die Behörden weigern: Freundlich nach einem Gespräch mit dem Vorgesetzten fragen oder gleich mit dem Datenschutzbeauftragten. Wenn der Anspruch dann immer noch abgelehnt wird, bleibt nur noch der öffentlich-rechtliche Rechtsweg mit einem Widerspruch.

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Esperata
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Die Sprache der Meldung

Entschuldigt die lange Pause: Ich bin echt nicht zum Bloggen gekommen. Zwar ist bei meinem Dienst am Newsdesk einiges passiert (und vor allem gleichzeitig), aber der ewig gleiche Wunsch nach mehr Zeilen von unseren Redakteuren eignet sich eher für eine Glosse als für einen Blogbeitrag.

Inzwischen durchlaufe ich eine neue Station im Volontariat: Eine einmonatige Ausbildung im Journalistenzentrum Haus Busch in Hagen. Was dort genau passiert, ist Schwerpunkt meiner Beiträge in den nächsten Wochen.

Journalistisches Schreiben

Die letzten zwei Tage hat uns der freie Journalist Günter Gleim das nachrichtliche Schreiben näher gebracht. Eigentlich war es eher eine Einführung in jegliche journalistische Textformen.

tatsachenbetont

meinungsbetont

Meldung Leitartikel
Bericht Editorial
Interview Kommentar
Porträt Glosse
Reportage Lokalspitze
Feature Kritik
Rezension (Buchkritik)
Foto
Grafik Karikatur

Natürlich kann man die tatsachenbetonten Textformen auch noch weiter unterteilen, nach informierend zum Beispiel (Meldung, Bericht) und erzählend (Reportage, Feature). Aber das würde dann ja schon fast wieder kompliziert. Deshalb geht es jetzt erst einmal ganz grob um zwei Sachen: Die Meldung und den Bericht. Und um die Fehler, die da schon gerne gemacht werden.

Eine Meldung ist in der Zeitungssprache ein Artikel, in dem meist vier Fragen beantwortet werden: Wer, was, wann und wo (oft auch warum).

Ganz grob und schon fast fahrlässig allgemein fasse ich die zwei Tage mal inhaltlich zusammen:

Aus irgendeinem Grund habt ihr vor, eine Meldung zu schreiben. Sei es als Praktikant bei der Zeitung oder als Pressemensch bei einem Verein oder einer Organisation. Bevor ihr den Stift in die Hand nehmt oder auf die Tastatur einhaut: Gedanken machen. Günter Gleim hat uns immer wieder gesagt (weil wir’s immer wieder nicht gemacht haben): Vorher Notizen machen, eine Prioritätenliste erstellen und überlegen: Wenn ich meiner Frau in der Küche zurüfen würde, um was es in dem Artikel geht, was wäre das dann?

Wenn ihr dann eine grobe Struktur habt, einfach noch mit der Top-8-Liste für grandiose Meldungen verquirlen.

  1. Das wichtigste nach vorn
  2. Kein überflüssiges Wort
  3. Kurze Sätze, Schachtelsätze verboten
    Manchmal – und das muss man ehemaligen Geisteswissenschaftlicher – zumindest zum Teil – nachsehen,  sind geschachtelte Sätze – nicht nur in Meldungen oder Berichten – doch ziemlich unüberischtlich.
  4. Keine Hauptwörterei
    Die Vermeidung von substantivierten Verben besitzt eine hohe Priorität seitens der Meldungsformulierung. Oder anders: Nominalstil versteht kein Mensch!
  5. Passiv vermeiden
    Wenn in einem Text zu oft das Passiv verwendet wurde, wird die Lebendigkeit zerstört.
  6. Immer schön konkret bleiben
    Forscher arbeiten jetzt an einem neuen Projekt. Was für Forscher? Astrophysiker oder gar Biologen? Und was ist das für ein Projekt?
  7. präzise Wortwahl
  8. Keine Fremdwörter

Als nächstes steht dann eine Einführung in das Medienrecht an. Ihr hört von mir.

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Ein Puzzle mit unbekanntem Ausgang

Die Ausgabe, die man für den nächsten Tag plant, ändert sich teilweise erheblich im Laufe der Produktion. Manche Kollegen (die komischen) reden von Evolution, von einer Knospe, die bis zur Herstellung zu einer fantastischen Wunderblüte heranreift.

Die neuen Artikel, die Layoutänderungen werden am Newsdesk bearbeitet. Wo ich im Lokalen zurzeit Station mache. Aber die “lebende Zeitung” hat für mich noch mehr Ähnlichkeiten mit dem Ölmonster aus Star Trek. Eine echte Plagerei. Hier gehts weiter »

Print und Online: Das Voloblog in der ersten Woche

Wo die Voloblog-Leser herkamen

Was bringen Online-Verweise in Print-Artikeln? Oder anders gefragt: Wieviele Menschen schauen sich ein Video an, wenn sie in der Zeitung darauf aufmerksam gemacht werden? Bisher konnten wir die Zahlen nur schätzen. Ist auch ganz klar warum: Entweder tippt man die Adresse in den Browser ein oder man sucht über Google. Außer Umfragen gibt es keine statistische Möglichkeit herauszufinden, wer außerhalb des Netzes wo auf uns aufmerksam gemacht wurde. Deshalb war die Start-Woche des Voloblogs hochinteressant: Wir haben das Blog zunächst nur in Facebook (702 Gefaller), Studi/MeinVZ (4800 Gefaller) und Twitter (695 Follower) beworben. Als am Wochenende dann die Print-Ankündigung erschien, haben wir uns bewusst in den sozialen Medien zurückgehalten. Das Ergebnis: Die Leute, die nach einem Zeitungsartikel an den Rechner  gehen und sich dann die Seite anschauen, ist gering im Vergleich zu den Zahlen, die über die sozialen Medien auf uns aufmerksam geworden sind.

0-30s 483
30-60s 21
1-2 min 29
2-4 min 28
4-6 min 14
6-8 min 9
8-11 min 10
11-15 min 12
15+ min 25

Allerdings: Die Zeitungsleser waren dann auch die, die am längsten geblieben sind. Der Großteil der Menschen, die den Links gefolgt sind, waren nach spätestens dreißig Sekunden wieder weg (Kasten rechts). Von acht Minuten bis 15+ sind größtenteils die gewesen, die wir aus Print rübergeholt haben. Die Zahlen beziehen sich übrigens auf die eindeutigen Besucher. Natürlich darf man das nicht generalisieren, da ein Blog ja sowieso netztypisch ist, das die Spanne aber so groß ausfällt, hat mich etwas überrascht.

Was wir daraus lernen: Es ist schwierig Menschen das Medium wechseln zu lassen. Beziehungsweise: Es muss die Leser schon extrem interessieren. Das führt aber auch gleich zu einem anderen Thema: Was erwarten die Leser von Lokalzeitungen, die im Netz unterwegs sind? Bei StudiVZ gibt es gerade ein recht plakatives Beispiel: Wir haben uns entschieden pro Tag ein buntes Thema zu teasern. Was dazu geführt hat, dass (nicht nur) ein Nutzer gesagt hat:

wenn man nur nach euren buschfunknachrichten geht, leben in göttingen viele irre

Wir wollen uns ändern, versprochen.

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Titelfoto: Beck Tench, Lizenz: CC

Rundgang durch Verlag und Druck

In dieser Woche habe ich nicht nur den Feinschliff am Voloblog vorgenommen: Die meiste Zeit war ich im Verlag und der Technik unterwegs. Während des Volos bietet das Tageblatt nämlich verschiedene Aktionen an. Eine davon: Ein Rundgang durch alle Abteilungen. Und ich habe an mir selbst festgestellt: Das war bitter nötig, weil ich viele Zusammenhänge so bewusst noch gar nicht wahrgenommen habe.

Detailliert kann ich hier natürlich nicht auf alle Abteilungen eingehen, dafür ist mein Wissen viel zu rudimentär. Aber einen groben Überblick bekomme ich mit Müh und Not hin (dank Bild und Ton).

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Überprüfbarer Journalismus oder gläserne Journalisten?

Wann hört transparenter Journalismus auf und fängt der gläserne Journalist an? Diese ganzen Dienste wie Facebook, Twitter, Foursquare oder gar Blippy machen es ziemlich einfach, sich, seinen Aufenthaltsort und seine Kredikarteneinkäufe öffentlich einsehbar zu machen. Aber will man denn den gläsernen Journalisten überhaupt?

Natürlich sollte nachvollziehbar sein, wenn ein freier Schreiberling beispielsweise Werbetexte für ein Autohaus verfasst, vielleicht sogar auch, welche Journalisten-Rabatte er in Anspruch nimmt, es geht immerhin darum, Lesern die Möglichkeit zu geben, eine gewisse Objektivität nachvollziehbar zu machen.

Aber wie weit diese Objektivität reicht und wann das Banale anfängt, steht nirgends. Ich muss zugeben: Ich habe Schwierigkeiten mich im Netz unbekümmert zu bewegen. Diejenigen, die mein progressives Datenschutzverständnis kennen, meine getwitterten Knöllchen und meine stundenlange Vorträge über die Vorteile von Facebook anhören mussten, die werden jetzt wahrscheinlich den Kopf schütteln und mir das nicht abnehmen. Aber als Verfechter der These, dass unsere verschiedenen Rollen als Kollege, Kunde oder Kumpel durchs Netz größtenteils wieder zu einer Idendität verschmolzen werden, bin ich doch ratlos.

In den Anfangsphasen, in denen die Voloblogger sich hingesetzt und über das Projekt gesprochen haben, ging es auch um diese Sache namens Privatsphäre. Dass wir keine eigene Kategorie haben mit Lebenslauf, Hobbys und dergleichen, ist bewusst und resultiert aus diesen Gesprächen. Dass die Links und Bilder unserer Profile auf Facebook zeigen, war eine heiß diskutierte Entscheidung. Schwieriges Thema, unsicheres Terrain. Da würde mich echt interessieren, wie ihr das so managt mit dem Privaten und dem Geschäftlichen. Liegt’s vielleicht nur am german paradox, wie Internet-Guru und US-Journalist Jeff Jarvis glaubt?

Nun noch ein Beispiel für ein richtig interessantes Projekt transparenten Journalismus’: Michaelis Pantelouris hat bei Neon eine Live-Reportage geschrieben. Der Klick lohnt sich.

Facebook: Like-Button unterm Beitrag

Das Hamburg-Blog macht es nicht mehr.

“Der Schutz der persönlichen Daten unserer Besucherinnen und Besucher ist uns nicht nur eine juristische Pflicht (manch einer würde sagen “Last”), sondern liegt uns tatsächlich am Herzen.”

Es geht um den Facebook-Like-Button (deutsch: “Gefällt mir”) und den damit gesammelten Daten, die Facebook von angemeldeten Benutzern und vielleicht auch unregistrierten Nutzern bekommt. Weil wir im Voloblog sogar noch einen draufsetzen und die Kommentarfunktion nur für registrierte Twitter/Facebook-Nutzer zugänglich machen, sollten wir einmal darüber sprechen.

Was macht dieser Like-Button?

Ganz einfach: Er gibt die Möglichkeit einen Blogbeitrag mit anderen Facebook-Nutzern auf dem eigenen Profil zu teilen.

Wie funktioniert er?

Facebook stellt Seitenbetreiber eine Programmierschnittstelle zur Verfügung, um soziale Funktionen auf den eigenen Seiten integrieren zu können: Den Button, den ihr unter diesem Beitrag seht, stammt direkt von Facebook. Und das ist wichtig… aber erst einmal ein kleiner Einschub: (Nicht nur) Facebook speichert auf euren Rechnern kleine Textdateien, sogenannte Cookies, in denen gewisse Infos abgespeichert sind. So können sich Seiten zum Beispiel merken, wer ihr seid und bieten gleich den richtigen Login-Namen an. Wenn ihr bei Facebook eingeloggt seid, ist im Facebook-Cookie eure eindeutige Benutzer-Identifikation gespeichert und kann monatelang auf eurem Rechner liegen. Eine der wichtigsten Sicherheitsregeln eines jeden Browers besteht nun darin, dass nur Seiten, von denen der Cookie stammt, auch auf ihn zugreifen dürfen. Und da der Button direkt Facebook stammt, darf er auch auf das Facebook-Cookie zugreifen. Das heißt: Auch wenn ihr nicht auf den Knopf drückt, weiß Facebook durch den Cookie, dass ihr die Seite besucht habt. Wenn also alle Seiten im Netz diesen Button anbieten würden, könnte Facebook eindeutig euer Surfverhalten rekonstruieren.

Warum macht Facebook das?

Facebook kann dadurch das komplexe Beziehungsgeflecht eines jeden Nutzers errechnen: Wie sieht das Umfeld des Benutzers aus, was liest er gerne, wo geht er hin. Das ist der sogenannte “Social Graph”, den vor allem Werbekunden interessieren. Deshalb. Personalisierte Werbung ist das Stichwort.

Warum macht das Voloblog das?

Der Hauptpunkt: Es ist ein genialer Weg zur Distribution von Inhalten und passt zum Konzept des Blogs.

Und erinnert sich noch wer an die Diskussion, als Google ein “praktisches” Werkzeug vorgestellt hat um Webseitenzugriffe analysieren zu können? Ich schon. Unter großem medialen Getöse wird sich echauffiert um das Thema dann irgendwann schnell fallen zu lassen (das wird bei Antennagete und Google Street View auch so kommen). Ein Update zu “Google Analytics” hat Thomas von zeroseven geschrieben:

Google (hat) nun angekündigt, ein globales Browser-Plug-in einzuführen, welches dem User ermöglicht, dass erfassen seines Besucherverhalten zu unterbinden. Seit Ende Mai 2010 steht dieses Plug-in von Google für den Internet Explorer, Firefox und Chrome zur Verfügung.

So etwas wird es dann auch für Facebook geben. Aber bis dahin: Immer schön ausloggen, wenn ihr den Dienst nicht braucht.

Flashmob in Göttingen

Ganz ehrlich: Ich hätte nicht damit gerechnet, dass etwa 50 Leute heute Abend am Gänseliesel die Muße hatten, sich nass zu spritzen. Kollege Dinges™ und ich haben uns den Flashmob trotzdem angeschaut, und wurden irgendwie direkt mit hinein gezogen. Zumindest ich. Ein Mikrofon scheint weniger abschreckend als unsere große Sony-HD1000E (bitte lacht nicht zu laut!). Ich hoffe, dass der Fun irgendwie rüberkommt – den hatten wir zumindest beim Schneiden.

Update: Bei Goloci gibt es haufenweise Bilder.