Polemik durch Anonymität? Kommentar-Modell des Voloblogs

Bevor wir hier so richtig loslegen, wollen wir erst einmal unsere Konzeption mit euch durchsprechen: Denn das Blog ist ein work-in-progress-Projekt und eure Meinung und Vorschläge sind uns wichtig. Aber: die enge Verknüpfung mit Facebook und Twitter bleibt. Punkt. Sie gehört zum Grundkonzept und ist für uns Volos auch erst einmal ein Experiment. Kommentare können  nur abgegeben werden, wenn man ein Benutzerkonto bei Facebook oder Twitter hat. Der Grund: Wir erhoffen uns dadurch eine gewisse Diskussionskultur, die durch anonyme Nicks leider zerschossen wird. Martin Weigert von netzwertig.com drückt das so aus:

“Doch im Rahmen der erwähnten Kommentardebatte erkannte ich einen mir bisher nicht bewussten neuen Anspruch, den ich an Kritiker stelle, die mit ihrer negativen Meinung über einen Artikel kein Blatt vor den Mund nehmen: Transparenz darüber, wer sie sind.”

Polemik unter News? Das wird gerade im Netz diskutiert.

Die Badische Zeitung lässt nur noch Kommentare mit Klarnamen zu und selbst die Washington Post plant, ihr System umzustellen:

“The Washington Post plans to revise its comments policy over the next several months, and one of the ideas under consideration is to give greater prominence to commenters using real names.”

“Die Washington Post plant in den nächsten Monaten ihre Kommentar-Funktion zu überarbeiten und Kommentatoren mit Klarnamen prominenter zu platzieren”.

via New York Times

Anonym lässt sich besser polemisieren, unsachliche Kritik äußern und beleidigen. Das ist aber gerade wichtig, weil es offene Räume im Netz geben muss, in denen man auch einmal ordentlich austeilen darf. Die Kommentarfunktion des Tageblatts ist ein solcher Raum: Ohne Registrierung kann da jeder seine Meinung kundtun. Natürlich überprüfen mehrere Personen ständig, an welcher Stelle zensiert werden muss, aber im großen und ganzen ist der Bereich frei.

Dass sich das Netz leider nicht so positiv-dialogisch entwickelt hat, wie man vor zehn Jahren vielleicht geglaubt hat, ist schade. Dass die Kommentarfunktionen bei lokalen Tageszeitungen oft von einer bestimmten Klientel benutzt wird, ist nicht nur in Göttingen so – nur bezieht sich dort die Kritik meist auf das gesamte Tageblatt (Bild-Niveau, Kleinstadt-Probleme, Sommerloch) und nur selten auf die Autoren. Das sieht bei einem Blog anders aus. Und ehrlich gesagt habe ich hier auf diese Pauschalkritik keine Lust. Was also tun?

Wir hätten eine Registrierung vorschalten können. Aber wir haben kein Interesse an eurer E-Mail/IP-Adresse. Wir suchten deshalb nach einem Weg, es für euch möglichst einfach und transparent zu gestalten. Viele Menschen sind sowieso bei Facebook und Twitter registriert, wieso also keine Verbindung schaffen?

Nützliches im Netz:

Christoph Kappes: Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets?

Das könnte euch interessieren:

One Comment

  1. Merke: der Trend geht zum Zweit-FB-Account!

Kommentar verfassen

Soziale Netzwerke
Melde dich über soziale Netzwerke an oder benutze das Forrmular. Kommentare, die über das Formular eingegeben werden, erscheinen nicht sofort.