Kunst des Kommentierens
Wenn unsere kleine, aber feine Seminargruppe im Seminar von Dr. Wilfried Bommert heute etwas gelernt hat, dann ist es – wie bei so vielen Themen in der Schreiberzunft – keine Kunst einen Kommentar zu verfassen, sondern sorgfältige Planung.
Was ist ein Kommentar?
Er ist erst einmal ein Meinungsbeitrag zu einer aktuellen Thematik. Entweder teilen die Leser dann die Meinung – oder auch nicht. Auf jeden Fall hillft er, ob positiv oder negativ, bei der Meinungsbildung.
Die Vorarbeit
Zuerst muss man sich erst einmal fragen: Bietet sich bei dem Thema überhaupt ein Kommentar an?
Das geht relativ schnell: Ist das Thema überhaupt kontrovers? Ist es aktuell? Interessiert sich überhaupt jemand dafür? Und ist es so unübersichtlich, dass sich ein einordnender Kommentar überhaupt lohnt?
Wenn man all diese Fragen mit “ja!” beantworten kann, geht es los. Ansonsten muss man das Thema noch einmal genau durchdenken – oder es fallen lassen.
Der Aufbau
- Thema in Kürze
Kurze Zusammenfassung der Thematik. - These
Welche These vertritt der Kommentator? - Argumente
Am besten drei einordnende Argumente aufführen, um die These zu stützen. Natürlich sind auch entkräftende Gegenargumente nicht verboten. - Schlussfolgerung
Was folgt aus der These? Welche Konsequenzen hat das?
Die Stilmittel
Ein Kommentar kann als Brief (“Sehr geehrte Frau Doktor Merkel [...] Mit freundlichen Grüßen. Oder auch nicht.”), Zeugnis (“Mathematik: klar ungenügend!”), als Rede (“Liebe Freunde”) oder als Geschichte (“Es war einmal [...]“) geschrieben werden. Eigentlich gehen sämtliche Textarten, außer natürlich Bericht oder Meldung.
Der Kommentar gibt ja die Meinung des Autors wieder. Deshalb ist ein wohlplatziertes “ich” nicht verboten. Um die Leser mit einzubeziehen, kann man ab und an auch ein “wir” fallen lassen.
Aus dem Deutschunterricht wissen wir ja alle noch, dass Bilder sehr stark sein können. Ob es das sinkende Schiff ist, die Lotsen die von Boot gehen oder die Grabenkämpfe in der Regierung: Man liest’s zwar oft – aber es geht einen noch nicht so auf den Keks wie die “Milchmädchenrechnung”. Wie gesagt, den Kommentar auf einer Bildbühne spielen zu lassen, kann funktionieren. Geht aber auch mal nach hinten los.
Die Länge der Sätze kann extrem variieren. Um Tempo und Druck in den Text hineinzubekommen reichen manchmal ein-Wort-Sätze vollkommen aus.
Rhetorischen Stilmittel (Wikipedia) können natürlich auch eingebaut werden.
Wenn ich etwas vergessen habe, kommentiert. Hehe.
Drüben auf Floyboy habe ich mal einen Übungs-Kommentar veröffentlicht.


[...] rein handwerkliche Handreichung habe ich heute beim Surfen auf dem Voloblog des Göttinger Tageblatts entdeckt. Was ist ein [...]